Das Lied vom Schwarzen Fluss – The Song of Chernaya Rekha

Every time I enter a dialogue with another person, want to show them the access to a work, it is always a conjoint search for the entrance. It seems to be always somewhere else with every person, or I just lose the key each time.
If I could express myself better with words, I would write them as analytical texts and not wrap them into allegories – I think before each exhibition.
The explanations are different, the choice of words is different, depending on who is in front of you and what he contributes as subjectivity. The dialogue is tailor-made each time and enriches both the listener and myself with new insights into one’s own way of expressing oneself and one’s own work.

Such a dialogue brought me closer to Chernaya Rek(h)a, making me more aware of it by bringing in the associations, thoughts and experiences of interested viewers. Because you can hurrying past the mirror yourself, but can’t look down when a stranger holds it up to you.

Chernaya Rekha reminds of an icon. It would have to hang over corner, giving it the same impression like Malevich’s Black Square. The use of religious stylistic devices is more seditious than I represent them, because they are only allegories that don’t refer to any specific religious content, but much more their psychological and philosophical significance in general: the solidarity to something greater, the strength of faith and truth, the feeling of security and togetherness, the explanation of our existence, the legitimation of our actions, the knowledge of right and wrong.

The lionskull was firstly used as part of a body with countless legs and the ears of a donkey, pierced by a padlock, six years ago. This symbolism is stolen. I saw it in a painting by Werner Tübke: a cleric, who was sitting in a wreath high up over the heads of the people pulling huge fox tails through the wasteland. The cardinal had donkey-ears. I have heard the most varied interpretations of these symbols and have been using the “encryption” by allegories since then.

I called this wormlike thing “The Lie“, which was beyond wrong and right.
Finding the own place in a world, which is turning so fast, to understand its basics and and recognizing yourself is the first major challenge in life. Connected to what one expects of oneself and what happiness means to one. Worlds collide, if they don’t correspond to those of the wards, who pretend how to live, how to behave, how to be happy. Everything else is incorrect, unacceptable, socially incapable, renitent. There is black and there is white.
“The Lie” is my icon. From a disillusionment, an attempt to understand and explain the world, out of a social upheaval.

A relativistic understanding of the world of numerous possibilities, of the relativity of being, of the fact that each individual’s path can’t be shown, but first have to be created. We are the protagonists of our own story and we write it alone. Without a straight path, without objectivity only with the pursuit of it. It is a path of conscious decisions, responsibility and the acknowledgment of the consequences of one’s own actions. A guide to your own wishes and a reminder to ourselves not to lose who we are. Because nothing is precious enough to waste a single drop of the own live.

Chernaya Rekha is a mirror, because its current is so deep that we reflect in its surface instead of seeing the ground.

Jedes Mal, wenn ich mit einer anderen Person in Dialog trete, ihnen den Zugang zu den Hintergründen eines Werkes zeigen will, so ist es zu Beginn immer eine gemeinsame Suche nach dem Eingang. Er scheint bei jedem Menschen woanders zu liegen, oder ich verliere einfach jedes Mal den Schlüssel aufs Neue.
Würde ich mich mit Worten besser ausdrücken können, würde ich sie als analytische Texte verfassen und nicht allegorisch verpacken – denke ich mir vor jeder Ausstellung.
Die Erklärungen sind anders, die Wortwahl ist anders, je nachdem, wer vor einem steht und was er mit einbringt an Subjektivität. Der Dialog ist maßgeschneidert und bereichert sowohl den Zuhörer als auch mich selbst mit neuen Erkenntnissen über die eigene Ausdrucksweise und das eigene Schaffen.

Ein solcher Dialog brachte mich dem Schwarzen Fluss näher, ließ mich mehr darüber erkennen, durch das Einbringen der Assoziationen, Gedanken und Erfahrungen interessierter Betrachter. Weil man selber am Spiegel vorbeihasten kann, den Blick aber nicht senken, wenn ein Fremder ihn einem vorhält.

Chernaya Rekha erinnert an eine Ikone. Sie müsste über Eck hängen und würde damit denselben Eindruck vermitteln, wie Malewitschs Schwarzes Quadrat. Die Nutzung religiöser Stilmittel wirkt aufrührerischer als ich sie selber vertrete, denn sie sind hier verwendete Allegorien, die auf keine konkreten religiösen Inhalte Bezug nehmen, sondern viel mehr deren psychologische und philosophische Bedeutung im Allgemeinen: Die Verbundenheit mit etwas Größerem, die Stärke von Glaube und Wahrheit, das Gefühl von Sicherheit und Gemeinsamkeit, die Erklärung unserer Existenz, die Legitimation unseres Handelns, das Wissen um Richtig und Falsch.

Der Schädel ist der einer Löwin und erstmals verwendet vor sechs Jahren auf einem wurmartigen Körper mit zahllosen Beinen und den Ohren eines Esels, durchstochen von einem Vorhängeschloss. Diese Symbolik ist gestohlen. Ich sah sie auf einem Gemälde von Werner Tübke: ein Kleriker hoch oben in einem Kranz sitzend, während die Menschen in der Einöde riesige Fuchsschwänze zogen. Der Kardinal hatte Eselsohren. Ich hörte die verschiedensten Interpretationen dieser Symbole und nutze die „Verschlüsselung“ via Allegorien seither selber, begonnen damit, dass ich mir bekannte Symbole abschaute und sie später durch eigene und allgemeingültige erweiterte.

Dieses wurmartige Gewächs betitelte ich als „Die Lüge“ und war für mich kein Bestandteil von Richtig und Falsch.
Den eigenen Platz zu finden in einer sich ständig verändernden Welt, deren Grundzüge zu verstehen und sich selbst zu erkennen, ist die erste große Herausforderung im Leben. Damit verbunden, was man von sich selbst erwartet und was Glück für einen bedeutet. Welten kollidieren, wenn sie nicht denen der Schutzbefohlenen entsprechen, die vorgeben, wie man zu leben hat, sich zu verhalten hat, glücklich zu sein hat. Alles andere ist inkorrekt, inakzeptabel, nicht gesellschaftsfähig, renitent. Es gibt Schwarz und es gibt Weiß.
„Die Lüge“ ist meine Ikone. Einer Desillusionierung entsprungen, eines Versuches, die Welt zu verstehen und zu erklären, aus einem gesellschaftlichen Umbruch heraus.

Ein relativistisches Weltverständnis von zahlreichen Möglichkeiten, von der Relativität des Seins, davon, dass der Weg eines jeden einzelnen einem nicht gewiesen sondern erst selbst erschaffen werden muss. Wir sind die Protagonisten unserer eigenen Geschichte und wir schreiben sie alleine. Ohne einen geraden Weg, ohne Objektivität nur mit dem Streben danach.
Es ist ein Weg bewusster Entscheidungen, Verantwortung und das Anerkennen der Konsequenzen des eigenen Handelns. Ein Wegweiser zu den eigenen Wünschen und eine Mahnung an uns selbst, uns nicht zu verlieren. Denn nichts ist kostbar genug, um einen einzelnen Tropfen unseres Lebens zu vergeuden.

Der Schwarze Fluss ist ein Spiegel, denn sein Strom ist so tief, dass wir uns in seiner Oberfläche spiegeln, anstatt, wie gewollt, den Grund zu erblicken.